Die Wurzel allen Übels: Spekulation & Leverage


"Die Wurzel allen Übels ist die Spekulation. Fremdfinanzierung."
– Gordon Gekko in dem Film Wall Street: Geld schläft nie (2010)
Regel Nr. 1: Verliere niemals Geld.
Regel Nr. 2: Vergiss niemals Regel Nr. 1.
Erinnerst du dich an dieses berühmte Zitat von Warren Buffett, dass jeder gerne zitiert?
Der Schlüssel liegt darin, zu verstehen, was es wirklich bedeutet.
Es geht nicht darum, dass du bei einer Position mal im Minus bist oder kurzfristig Geld verlierst – das passiert ständig. Das ist Volatilität, kein Scheitern. Wenn du investierst, musst du sie aushalten, um die Früchte des langfristigen Zinseszinses zu ernten. Regel Nr. 1 bezieht sich auf etwas weitaus Ernsteres: den dauerhaften Verlust von Kapital.
Das ist die wahre Gefahr.
Um lange genug im Spiel zu bleiben, um zu gewinnen, musst du dein Kapital am Leben halten. Du darfst es nicht dauerhaft verlieren. Genau deshalb existiert Risikomanagement – um Kapital zu bewahren, damit du zurückkehren kannst, wenn sich wieder Chancen bieten. Und glaub mir – sie kommen immer wieder.
Warum wir das gerade jetzt ansprechen?
Weil wir letzten Freitag den grössten Crash in der Geschichte des Kryptomarktes gesehen haben (Chart 1).
19 Milliarden US-Dollar an Marktwert – einfach ausgelöscht. 1,6 Millionen Konten liquidiert.
Wie das passieren konnte? Wegen der Wurzel allen Übels.
Spekulation – und Leverage.
Chart 1: Der 19-Milliarden-Dollar-Krypto-Meltdown – Der Tag, an dem Leverage starb (Binance)

Also, was genau ist letzten Freitag passiert?
Das Hauptgeschehen spielte sich im Kryptomarkt ab — dort, wo sich nach Covid viele Zocker und Spekulanten hinverlagert haben. Gross zu wetten ist nicht verschwunden; es hat sich nur in eine andere Anlageklasse verschoben: Kryptowährungen.
Und weil dieser Markt noch immer etwas ausserhalb des traditionellen Finanzsystems liegt, bleiben Erschütterungen dort oft unbemerkt — zumindest vom breiten Publikum.
Aber das Ausmass dieses Ereignisses?
Gigantisch.
Krypto hat gerade das grösste Liquidationsereignis ihrer Geschichte erlebt — und nichts anderes kommt auch nur annähernd heran.
Um zu verstehen, wie beispiellos dieser Ausverkauf war:
Lass uns auflösen, was diese Kettenreaktion ausgelöst hat — und warum sie so brutal eskalierte:
Das Ergebnis?
Der gesamte Kryptomarkt löschte innerhalb von Minuten 20 % seines Werts aus (Chart 2). Bitcoin bewegte sich an einem einzigen Tag um 20.000 $ — und vernichtete rund 380 Milliarden $ an Marktwert in nur 24 Stunden. Das ist mehr, als alle bis auf 25 börsennotierte Unternehmen der Welt überhaupt wert sind.
Also … ist Krypto tot?
Nein.
Das war kein fundamentaler Kollaps — sondern ein technischer Flush. Nicht das Ende von Krypto — nur das Ende der Gier. Ein Reset-Moment. Für den Moment.
Welche Lektionen können wir als Investoren aus diesem Ereignis ziehen?
Kann uns die Geschichte dabei ein Leitfaden sein?
Chart 2: Der gesamte Kryptomarkt hat innerhalb Minuten 20% seines Wertes eingebüsst

Wie Jesse Livermore — wohl der grösste Trader, der je gelebt hat — einst sagte:
„Eine Lektion, die ich früh gelernt habe, ist, dass es an der Wall Street nichts Neues gibt. Es kann nichts Neues geben, weil Spekulation so alt ist wie die Berge. Was heute an der Börse passiert, ist schon früher passiert — und wird wieder passieren.“
Gier, Spekulation und die Gesetze der menschlichen Natur — sie verschwinden nie.
Sie verändern nur ihre Form.
Die Geschichte liefert uns unzählige Beispiele. Von der ersten grossen Blase, der Tulpenmanie, über die South-Sea-Bubble, der selbst Sir Isaac Newton nicht entkommen konnte (und dabei alles verlor), bis hin zur Dotcom-Blase — jede Ära hatte dieselbe Kernbotschaft: Träume vom schnellen Reichtum, angetrieben durch Leverage und Euphorie — endeten stets im Zusammenbruch.
Aber eine Periode sticht besonders hervor.
Die Roaring ’20s.
Eine Zeit des Champagners, der Kredite auf Pump und des grenzenlosen Optimismus — bis alles in der Grossen Depression endete.
Und zufälligerweise hat Andrew Ross Sorkin — der Autor von Too Big To Fail — genau diese Woche sein neuestes Buch veröffentlicht: „1929: Inside the Greatest Crash in Wall Street History – and How It Shattered a Nation.“
Es ist der neueste Zugang in unserem arvy Book Club (Chart 3), denn: Die Vergangenheit zu studieren ist der beste Weg, die Gegenwart zu verstehen — und sich auf die Zukunft vorzubereiten.
Die Geschichte von 1929 ist zeitlos: Nach den Sternen greifen, geblendet von Gier — bis die Illusion eines endlosen Booms an den Grenzen menschlicher Selbsttäuschung zerschellt.
Genau deshalb basiert unsere Investmentphilosophie bei arvy auf ein paar einfachen, aber kraftvollen Regeln — sie machen es zu einem Teil der «Good Story»:
Einfach.
Vielleicht langweilig.
Aber unangreifbar, wenn es darauf ankommt.
Das sieht man auch in unserem Portfolio heute: Ein Net Debt/EBITDA-Verhältnis von nur 0,6, verglichen mit 1,3 im globalen Marktdurchschnitt. Diese Disziplin ermöglicht uns vor allem eines: Kapital in turbulenten Zeiten zu bewahren.
Dieses Qualitätsmerkmal weniger verschuldeter Unternehmen zeigt sich auch in einer Portfoliovolatilität von 12,5 % gegenüber 15,8 % am globalen Markt in den letzten sieben Jahren — oder einem maximalen Drawdown von -24 % gegenüber -34 %.
Denn wie wir zu Beginn sagten — und wie Buffett uns erinnert hat: Das grösste Risiko ist nicht Volatilität.
Es ist der dauerhafte Verlust von Kapital.
Chart 3: 1929: Inside the Greatest Crash in Wall Street History - and How It Shattered a Nation

Um die Geschichte in Perspektive zu setzen — schau dir einfach die Zahlen an.
Während der Grossen Depression verlor der Dow Jones (Chart 4):
Das ergibt einen kumulierten Einbruch von über 80 % — eine brutale Erinnerung daran, was unkontrollierter Leverage, Spekulation und Übermut anrichten können.
Natürlich muss jeder Investor ein gewisses Mass an Volatilität und Rückschlägen akzeptieren.
Aber die Geschichte zeigt auch: Qualitätsunternehmen mit stetigem Wachstum — die „langweilig-guten“ Firmen, die sprichwörtlichen Schildkröten — überstehen solche Stürme am besten. Genau nach diesen suchen wir bei arvy.
Natürlich bedeutet Fokus auf Abwärtsschutz, dass man etwas Aufwärtspotenzial aufgibt.
Das spiegelt sich in Anlagestilen wie unserem wider: Wir fangen typischerweise rund 70 % der Abwärtsbewegung, aber trotzdem nahezu 90 % der Aufwärtsbewegung ein.
Klar, es sieht cool aus, die Welle eines Bullenmarktes zu reiten — voll gehebelt, all-in, immer auf der Jagd nach dem nächsten grossen Gewinn.
Bis es das nicht mehr tut.
Denn diese Geschichten enden oft nicht nur im dauerhaften Kapitalverlust, sondern auch in schlaflosen Nächten.
Die Lehre aus früheren Blasen — 1929 genauso wie aus dem Chaos vom letzten Freitag?
Wenn die Märkte wackeln oder die Volatilität steigt — sei dankbar. Aber bleib investiert, diszipliniert und geduldig. Lass die Zeit die schwere Arbeit tun. So übersteht man Stürme — und lässt den Zinseszinseffekt leise seine Magie entfalten.
Es zahlt sich immer aus, auf lange Sicht die Schildkröte des Compounding zu sein.
Denn am Ende gewinnt die Schildkröte das Rennen gegen …
… den gehebelten und spekulativen Hasen —
und sie kann dabei ruhig schlafen.
Chart 4: Dow Jones während der Roaring Twenties, der Grossen Depression und der anschliessenden Erholung
