EssilorLuxottica & Meta Platforms: Künstliche Intelligenz trifft auf Brille

Oktober 3, 2025 5 Minuten Lesezeit

“AI Glasses werden Smartphones ersetzen und jeder, der sie nicht nutzt, wird zurückfallen.“

– Mark Zuckerberg, Gründer von Meta Platforms (ehemals Facebook)

arvy’s Teaser

Künstliche Intelligenz lebt nicht nur in der Cloud - sie wandert nun auch auf dein Gesicht. Der Vorstoss von Meta Platforms mit EssilorLuxottica stellt die Brille als die nächste Hardware-Ära dar, in der Design, Daten und das tägliche Leben zusammenkommen.

Oakley.

Ray-Ban.

Chanel, Prada, Versace, Bulgari, Ferrari, Burberry, Valentino, Dolce & Gabbana.

Trägst du eine dieser Marken — als Sonnenbrille oder sogar als Alltagsbrille?

Rate mal: Sie alle gehören demselben Unternehmen oder stehen unter seinen Lizenzverträgen.

Die Geschichte begann 2018, als zwei eigenständige Unternehmen ihre Kräfte bündelten: ein französischer Brillenglas-Hersteller und ein italienischer Brillendesigner.

Die Fusion war ein Wendepunkt — sie schuf den grössten Brillenhersteller der Welt.

Sie vereinte ein starkes Marken- und Retail-Portfolio mit modernster Expertise in der Glasfertigung. Ein neuer Branchenstandard war gesetzt. Ihre Fähigkeit, Akquisitionen zu integrieren und zu skalieren, war entscheidend, um ihre Position als globaler Marktführer für Brillen zu festigen — ein Synonym für Qualität, Innovation und Kundenzugang.

Der französische Glashersteller war Essilor.

Der italienische Designer - Luxottica.

Zusammen wurden sie.

EssilorLuxottica.

Chart 1: Die bedeutendsten Fusionen, Übernahmen und Lizenzvereinbarungen von EssilorLuxottica in den letzten 35 Jahren

Die bedeutendsten Fusionen, Übernahmen und Lizenzvereinbarungen von EssilorLuxottica in den letzten 35 Jahren
Source: Quartr

Globale Dominanz durch strategische Akquisitionen

Die M&A-Reise von EssilorLuxottica spiegelt eine klare strategische Vision wider: Marktführerschaft und unermüdliche Innovation im Brillensektor.

In den letzten 15 Jahren wuchs der Umsatz mit einer CAGR von 15 %, der Free Cashflow mit 11 % CAGR. Die Fähigkeit, Akquisitionen zu integrieren und zu skalieren (Chart 1), war der Schlüssel, um die Rolle als globaler Branchenführer zu festigen — und neue Standards in Qualität, Innovation und Reichweite zu setzen.

Ein herausragender Schritt war die Übernahme von GrandVision im Jahr 2021, einem globalen Optik-Einzelhandelsriesen. Damit weitete EssilorLuxottica seine Präsenz im Retail massiv aus. Heute zählt die Gruppe fast 18 000 Filialen — im Vergleich zu gerade einmal 450–500 bei den grössten Luxusmarken.

Auf der Glas-Seite beliefert Essilor rund 400 000 unabhängige Optiker weltweit, wobei kleine Geschäfte mehr als die Hälfte des globalen Branchenumsatzes ausmachen.

Das Gesamtbild?

EssilorLuxottica operiert in einer strukturell wachsenden Industrie, getrieben von Makro-Trends wie:

  • einer alternden Bevölkerung,
  • einer wachsenden Mittelschicht in Schwellenländern,
  • Bewusstsein für die gesundheitlichen wie auch modischen Vorteile von Brillen,
  • und dem unaufhörlichen Modezyklus.

Innovation treibt zusätzlich:

  • Stellest-Myopie-Präventionsgläser (Kurzsichtigkeit) für Kinder wachsen bereits im zweistelligen Bereich, sind in Europa weit verbreitet und erhalten voraussichtlich im 2. Halbjahr 2025 die US-FDA-Zulassung.
  • Das kommende Produkt Nuance Audio für leichte Hörverluste — ebenfalls für H2 2025 geplant — bringt eine weitere differenzierte Wachstums- und Preissetzungsmacht.

Das Ergebnis?

EssilorLuxottica ist der unumstrittene Marktführer in einer fragmentierten Branche — mehr als doppelt so gross wie der nächste Wettbewerber. Skalierung zählt hier. Sie schafft Effizienzen, die andere nicht erreichen können.

Noch stärker ist die vertikale Integration.

EssilorLuxottica macht alles selbst — von Design über Produktion bis zur Distribution.

Diese Kontrolle verwandelt sich in echte Preissetzungsmacht. Sichtbar in 63 % Bruttomarge und dem Managementziel von 19–20 % operativer Marge bis 2026 (Chart 2).

Schon jetzt sieht das nach einer „Good Story“ mit vielen Pluspunkten aus.

Und dann kam Meta Platforms.

Chart 2: Bruttomargen und operative Margen von EssilorLuxottica in den letzten zehn Jahren

Bruttomargen und operative Margen von EssilorLuxottica in den letzten zehn Jahren
Source: Fiscal. AI

AI Glasses = Hardware + Fashion + Optische Welt

Meta Platforms?

Ja — dasselbe Meta hinter Facebook, Instagram, WhatsApp und den Metaverse-Wetten. Im Juli 2025 sicherten sie sich einen 3%-Anteil an EssilorLuxottica — ein Deal im Wert von rund 3 Mrd. €.

Was will Zuck hier erreichen?

Das ist nicht nur ein finanzielles Investment — es ist strategisch.

Meta will im Bereich KI-gestützter Wearables mitmischen. Mit einem Anteil am weltgrössten Brillenhersteller bekommt Meta einen Front-Row-Seat in der Welt von Hardware + Fashion + Optik. Ein Hebel, um das Interface zu besitzen, das direkt auf deinem Gesicht sitzt.

Warum eine Beteiligung und nicht nur eine Partnerschaft?

  • Ein Anteil gibt Meta Skin in the Game — mehr Einfluss, mehr Alignment, mehr Upside, wenn Smart Glasses durchstarten.
  • Es vertieft die Zusammenarbeit. Aus einem reinen Zulieferer/Partner wird ein Co-Investor in Metas Vision.
  • Und es sendet ein starkes Signal an andere Player, Investoren und den Markt. Meta meint es ernst mit Brillen als nächster Plattform.

Die Vision?

Meta scheint Smart Glasses vom Gimmick zur Alltags-Utility weiterzudenken — siehe heutiges Zitat. Und nicht vergessen: Rund 50 % der Weltbevölkerung — und bis zu 70 % in entwickelten Märkten — tragen bereits Korrekturbrillen.

Das ist eine riesige eingebaute Nutzerbasis.

Stell dir Brillen vor, die:

  • Infos, Untertitel, Navigation oder Nachrichten direkt in dein Sichtfeld einblenden,
  • dich freihändig interagieren lassen — über Gesten oder neuronale Signale,
  • Metas KI, Computer Vision, Übersetzung und Kontextbewusstsein nutzen,
  • Fashion mit High-Tech verbinden — Brillen, die Menschen wirklich tragen wollen.

Beispiel: Metas neuester Launch — Meta Ray-Ban Display (Preis: 799 USD, Ende September 2025).

Es ist die erste Brille, die ein Display direkt ins Glas integriert — nicht nur Sensoren oder Kameras. Denk an Benachrichtigungen, Karten, Übersetzungen, Previews — alles in einem subtilen Formfaktor.

Lust auf mehr?

Schau dir an, wie Zuck diese Brillen — zusammen mit den Virtual Reality-Innovationen von Meta — auf der Meta Connect 2025 vorgestellt hat (Chart 3, hier). Vollgepackt mit Demos, Konzepten und Hinweisen, wohin das Ganze gehen könnte.

Klar, einige Demos floppten live auf der Bühne (klassisch). Aber im echten Silicon-Valley-Startup-Stil ist Metas Ansatz klar:

Build. Break. Feedback sammeln. Verbessern. Fixen.

Und dann wiederholen. Im Loop.

Das ist das Meta-Playbook.

Aber genug über Vision und Demos. Kommen wir zu dem, was wirklich zählt: Was sagt Mr. Market?

Zeit für den „Good Chart“.

Chart 3: Meta Connect 2025, Keynote, Zuck’s Live Demo

Meta Connect 2025, Keynote, Zuck’s Live Demo
Source: Youtube, Meta Developers, Screenshot of Meta Connect 2025: Opening Keynote


Die Schildkröte und der Hase

Die beiden „Good Charts“ von EssilorLuxottica und Meta Platforms könnten kaum unterschiedlicher sein.

Meta spielt in der Big-Tech-Liga — asset-light, getragen von Netzwerkeffekten und Plattformen, die sich in Lichtgeschwindigkeit skalieren lassen. EssilorLuxottica hingegen operiert mit physischen Produkten, physischen Geschäften und dem langsameren Geschäft, Kunden vom Kauf zu überzeugen — statt nur ein App-Download.

Dieser Unterschied zeigt sich auch in der Kursentwicklung:

  • EssilorLuxottica läuft mit einem stetigeren, sichtbareren Geschäftsmodell. Wachstum ist moderat, Risiken sind geringer, und die Projekte sind in attraktiven, resilienten Endmärkten verankert.
  • Meta hingegen trägt im Wesentlichen das gesamte Geschäftsrisiko der AI-Brillen. Sie sind die Pioniere, investieren massiv Kapital und tragen die Unsicherheit — während EssilorLuxottica schlicht die Brillen liefert, die so oder so gebraucht werden.

Und dann gibt es noch Metas eigentliches Kerngeschäft: Werbung.

Es ist hoch zyklisch, und das sollten wir nie vergessen.

Werbung ist der erste Posten, den Unternehmen kürzen, wenn die Wirtschaft schwächelt. Kombiniert mit Metas Neigung, Milliarden in kapitalintensive Moonshots zu stecken (siehe unsere Weekly zu Meta), ergibt das ein Geschäft mit deutlich höherer Unsicherheit — und deutlich höherem Potenzial nach oben.

Für Investoren fühlt sich der Vergleich an wie das sprichwörtliche Märchen vom Hasen und der Schildkröte (Chart 4):

  • Meta, der Hase: sprintet, stoppt, springt wieder los — unberechenbar.
  • EssilorLuxottica, die Schildkröte: bewegt sich stetig, vorhersehbar und gleichmässiger.

Obwohl der Hase diesmal dank seiner Ausgangsbasis vielleicht einen grossen Vorsprung hat, bleibt die Logik dieselbe: Als Investoren wissen wir, was wir von jedem erwarten können.

Denn eine Schildkröte bleibt eine Schildkröte.

Und ein Hase bleibt ein Hase.

Chart 4: EssilorLuxottica & Meta Platforms über die letzten zehn Jahre, in EUR

EssilorLuxottica & Meta Platforms über die letzten zehn Jahre, in EUR
Source: TradingView